Es gibt nicht nur einen Weg, der über die Alpen führt – Sollte ein Traum Wirklichkeit werden?
Für mich war die Vorfreude groß in die Alpen zu kommen. Ich liebe die Berge und ich kann mich kaum satt daran sehen. So startete die Reise von Hokitika ganz frühen am Morgen um 6 Uhr, da mein nächstes Ziel eine Wanderung zum Franz Josef Gletscher sein sollte. Früh morgens am Berg zu sein war immer das Größte für mich, wenn der Morgentau langsam aufsteigt und die Berge erwachen.
Kurz hinter Hokitika führt der Highway 6 ein wenig weg von der Küste ins Inland. Kulturlandschaft und Wälder wechselten sich ab. Vorbei an kleinen Seen bis es langsam aufwärts ging. Dann waren sie da. Die ersten Schneebedeckten Gipfel tauchten auf und Franz Josef war nicht mehr weit.
Kurz hinter der Ortschaft Franz Josef geht es dann links Richtung Gletscher. Was für ein Anblick und ich wurde schon ganz unruhig. Der große Parkplatz war zu meiner Freunde noch recht leer und ich machte mich mit meinem vorbereiteten Rucksack gleich auf den Weg Richtung Gletscher. Ich hab mir den Roberts Point Track ausgesucht, der einen Blick von etwas oberhalb auf den Gletscher bieten soll. Der Weg führte durch einen mächtig feuchten Dschungel. Mose und Flechten überall und nur die Tritte der Wanderer waren frei davon. Wasserfälle, Schluchten und schöne lange Hängebrücken, die wohl die Neuseeländer lieben. Ein sehr abwechslungsreicher Weg der teilweise aber sehr steil nach oben führt. So musste ich schnell meine Kamera verstauen, da auch das Vordergeläuf benötigt wurde. Über so manche Wurzel die herausragt war man froh, denn sie bot besseren Halt als die Moosbewachsen Steine. Kurz vordem Ziel öffnete sich dann der Wald und man war da. Wow! So direkt vor der Nase mit einem mal. Es war ruhig hier oben. Nur vier Wanderer die wir gemeinsam genossen. Einen keinen Wermutstropfen gab es allerdings. Es fliegen hier sehr viele Hubschrauber, die einige Wanderer auf den Gletscher bringen, um dort Wanderungen zu machen. Dennoch bleibt es eine beeindruckende Landschaft und den Weg kann ich nur Empfehlen. Aber wenn ihr Ruhe möchte geht früh los. Auf dem Rückweg gab es viel Gegenverkehr!
Am Nachmittag besuchte ich noch den Fox-Gletscher, der nur 30 min Fahrzeit entfernt liegt. Dort wanderte ich aber nur auf direktem Weg zum Gletschertor. Zumindest soweit man heran durfte. Hier viel mir der Gletscherschwund am deutlichsten auf, denn auch die Gletscher Neuseelands sind von der Globalen Erwärmung betroffen.
Am Abend war ich dann fix und alle und mochte nicht mehr kochen. So blieb die Küche kalt und ich ging in …. das Café Neve und gönnte mir einen anständigen Burger mit Salat!
Der kommende Tag sollte von etwas mehr fahren geprägt sein, denn nun sollten die Alpen überquert werden. Es war für mich die bisher schönste Strecke, die ich hier gefahren bin. Manchmal weiß ich nicht, wie man das noch steigern kann. Von Fox-Gletscher führt die Straße durch immer dichter werdende Wälder. Kulturlandschaft weit und breit nicht mehr zusehen. Nur noch Wald / Dschungel der die Berge bis weit hinauf bedeckte und draußen gaben nun die Zikaden den Ton an. Sowas hab ich vorher noch nicht gehört. Doch mir kam der Film „Die Schatzinsel“ dazu ins Gedächtnis, als Jim Hawkins, Square John Trelawney, Dr. David Livesey und alle andern die Insel erreichten und sich durch den Dschungel kämpften um den Schatz zu finden. So klang es hier.
Kurz vor Haast führt die Straße wieder an die Küste zurück und da konnte ich mir das Zikaden-Schauspiel live am Knights Point anschauen. Überall in den Büschen auf den Geländern saßen sie und zirpten und knackten vor sich hin. Allerdings gab es hier auch Unmengen von den Draculas des Dschungels an der Westküste. Sanflies ohne Ende und sie hauten ihre Beißwerkzeuge unbetäubt ins Fleisch. Selbst mein Anti-Brumm hat sie einen feuchten Kehricht interessiert. So verließ ich den Platz fluchtartig und hoffte das es am Ship Creek besser wird. Mit einer zweiten Schicht Anti-Bumm und einem langen Oberteil ging es dann auch und ich genoß noch ein paar Momente am Strand der Westküste.
Von Haast aus ging es dann immer am Haast-River hinauf zum Haast-Pass. Ein mächtiger Fluß in einem riesigen Flussbett aus Schotter. Langsam und stetig geht umgeben von einem Wahnsinns Panorama hoch zum Pass. Nur Wald, Berge, der Fluß und keinerlei Bewirtschaftung der Landschaft. Je höher man kam, je mehr übernahmen die Vögel wieder das Sagen im Wald. Zikaden waren nur noch wenige zu hören. Wasserfälle gab es reihenweise und sie sind schon fast nichts besonderes mehr. Es gibt sie überall.
Kurz hinter dem Pass ändert sich dann die Landschaft relativ schnell. Der Wald wird spärlicher und es wird zum steppenartigen Hochland. Die ersten Scharfe und Rinder waren wieder zu sehen und dann erschien im dunklem blau der Lake Wanaka. Ein riesiger See von 42km länge. Der Lake Hawea , ein weiterer Gletschersee, liegt gleich neben ihm und ist nur unwesentlich kleiner. Unglaubliche Farben eingebettet in einem grau-braun der übrigen Landschaft.
Es war eine wunderschöne Fahrt, die auch über unzählige einspurige Brücken führte. Unterwegs legte ich viele kleine Stops ein, um die Aussicht zu genießen oder ein paar Schritte zu laufen. Einen Rekord habe ich auch gebrochen. Die niedrigste Durchschnittsgeschwindigkeit von 51km (reine Fahrzeit). Es lag nicht an den Straßen sondern an mir. Es waren wenige unterwegs und man konnte cruisen. Und wenn einer es mal eiliger hatte, dann fuhr man an die Seite, was hier übrigens sich so gehört! Mit einem daraus entstandenen Verbrauch von 7,8 l habe ich auch noch was für die Feinstaub- und Stickoxid-Belastung getan 😉 Sorry, musste sein!
Mein Campingplatz Lake Outlet Holiday Park war vom feinsten, was die Aussicht betraf. Etwas oberhalb vom See und etwas abseits von den übrigen Gästen, hatte ich einen schönen Platz erhalten, nachdem ich spontan hier her gefahren bin.
Der nächste Tag sollte mich auf eine andere Art über die Alpen bringen. Es ging nach Omarama, um sich einen Wunschtraum zu erfüllen.
Gut ausgeschlafen und nach einem herrlichen Sonnenaufgang ging es dann los über den Lindis Pass an mein besagtes Ziel. Gebirgige Steppenlandschaft, endlos lange Straßen, gemäßigte Steigungen und bunte grüne Farbtupfer waren das Landschaftsbild. Wenn die grünen Tupfer der automatisiert bewässerten Felder der Farmer nicht währen, so könnte man meinen, man wäre im Hochland von Tibet unterwegs. Die Landschaft soll sich in den letzten Jahren verändert haben, so erzählten mir Einheimische. Immer mehr Flächen werden bewirtschaftet und müssen dazu zu mit riesigen Mengen an Wasser versorgt werden, denn an der Ostseite der Alpen gibt es kaum Niederschlag.

Mit dem erreichen den Lindis Pass änderte sich schlagartig das Wetter. Nebel und Wolken zogen auf und ich hatte Angst mein Vorhaben würde nicht klappen. In Omarama suchte ich das Omarama Glieder Airfield auf.

Nun dämmert es sicherlich schon einigen 😉 Ich äußerte einer netten Dame im Office meinen Wunsch vorauf sie sagte, dass ist das kurz klären müsste. Sie kam kurze Zeit später wieder und sagte „Ja, es ist möglich. Es könnte um 14 Uhr los gehen“. „Of course“, sagte ich und plötzlich wurde ich ganz aufgeregt. Nun noch die Formalitäten erledigen und dann hieß es warten. Eine Stunde später hörte man schon das erste Propellerflugzeug und ich machte mich auf zur Startbahn. Der Himmel riss auf und die Vorbereitungen liefen an. Ich war nicht der einzige wartende hier und so tat man sich zusammen und unterhielt sich. Ein Pärchen aus Holland war hier und einen Mutter mit ihrem Sohn aus Christchurch, der hier mit seinen 14 Jahren zur Ausbildung ist und gleich abheben sollte. Die Zeit verging wie im Fluge und als mein Zeitpunkt nahte kam auch eine gewisse Nervosität auf.
Pünktlich um 13:30 Uhr war ich wieder im Office und da war dann auch mein Pilot Norbert aus Rumänien, der den Sommer über hier in Neuseeland arbeitet. Sofort ging es los zum Rollfeld um die Vorbereitungen zu treffen. Flieger herrichten in Position schieben und Briefing. Rettungsfallschirm, Ablauf des Notausstiegs, Funkkanal bei Start und Landung sowie in der Luft, Fahrwerksbedienung, Instrumente und noch so vieles mehr. Der Duo Discus Hochleistungssegler, der Firma Schempp-Hirth aus Kirchheim unter Teck bei Stuttgart, soll nun für die nächsten 2,5 Std mein anderer Weg über die Alpen werden.

Vorher kommen nur diese Wünsche und Träume. Werden sie einem suggeriert? Es war wieder mal ein Film, wo ich immer noch Gänsehaut bekomme, wenn ich die Szene sehe. Die Thomas Crown Affäre mit Pierce Brosnan. Hier gibt es eine Szene in der Thomas Crown die Versicherungsdetektivin Catherine Banning zu einem Segelflug entführte, nachdem sie sich näher gekommen waren. Das verrückte ist noch, das in dem Film auch ein Duo Discus zum Einsatz kam! Ich muss wohl nun die Rolle der Catherine einnehmen, da Norbert ja schon der Pilot ist 🙂
Der Start verzögerte sich noch etwas und wir halfen den anderen Piloten beim vorschieben der Flugzeuge in die Startposition. Über 400 kg Leergewicht hat unser Flugzeug was gleich nur alleine durch den Wind getragen werden soll. Nun war es soweit. Fallschirm anlegen und vorne Platznehmen in dieses enge, kohlenstofffaserverstärkte Kunststoff-Fluggerät mit 20m Spannweite.
Deckel zu, Leine eingeklinkt – READY FOR TAKE OFF – Ab ging die Post und nach ein paar Metern waren wir schon in der Luft.

Awesome, dachte ich und musste an Chuck, einem tollen Menschen und meinem Englisch Lehrer denken. Danke Chuck, du hast es als einziger geschafft mir in den letzten Jahren endlich etwas bei zu bringen und das noch mit viel Spaß! ich denke meine Praxisprüfung werde ich hier bestehen 🙂
Nachdem wir die erste Bergkette erreicht hatten wurde die Zugleine ausgeklinkt. Dann bedeutete es für mich Fahrwerk hoch und Funkkanal umstellen. Norbert war schon dabei den ersten „Lift“ zu suchen, der uns in die Höhe bringen sollte. Das war nicht so einfach, und wir suchten einen Weile und dann war er da. 5-8m/sec ging auf einmal ein Lift nach oben. Enges kreisen und dann waren wir über 1000m aufgestiegen. Endlich Übergang in den Gleitflug, denn das enge Kreisen kann doch auf den Magen gehen.
So ging es im Gleitflug von Bergkette zu Bergkette, am Hang entlang, die Aufwinde nutzen um vielleicht den Mount Cook zu erreichen. Atemberaubend, die Berge zum greifen nah an den wir vorbei glitten. Nur getragen vom Wind, der es zu diesem Zeitpunkt gut mit uns meinte und wir im Gleitflug kaum Höhe verloren. Nun mussten wir wieder ein etwas breiteres Tal überqueren um am nächsten Hang wieder den Aufwind nutzen zu können. Leider spielte nun der Wind nicht mehr so gut mit. Wir suchten, fanden aber nichts passendes. So ging es dann doch langsam zurück, da wir sonst über die Zeit kommen würden. Der Rückweg war unerwartet mühselig und wir versuchten immer wieder einen Lift zu finden, der uns noch in die entsprechende Höhe bringt damit wir sicher auf dem Airfield landen können. Es half nichts, wir mussten weiter. Das kreisen an den Hängen reichte nicht aus. Notfalls erklärte mir Norbert, können wir hier fast überall landen. Alles Flach, kein Problem;)
So zogen wir über den Lake Ohau, der uns etwas Aufwind bescherte. Aber dennoch nicht genug. 200m über dem Grund und die Basis noch 17 km entfernt. Also ein Lift muss her und wenn er noch so schwach ist. Da war einer mit 1m/sec und in endlosen Kreisen kamen wir wieder auf entsprechende Höhe. Wieder am gleiten sagte mir Norbert dann, ich sollte doch übernehmen! Ok, warum nicht. Steuerknüppel in die Hand und mit Gefühl den Glider geflogen. Was soll ich sagen… ein irres Gefühl. Rauf, runter, links, rechts und eine Runde übers Airfield. Jetzt könnte ich noch länger oben bleiben, wenn da nich das Thema mit der Höhe erreichen wäre. Nun war mir aber klar, warum Norbert noch etwas mehr Höhe erreichen wollte.
Norbert übernahm nun wieder und brachte uns sanft und sicher auf den Boden zurück.
Ja, ich hab mir einen Traum erfüllt. Er war einmalig und er wird es auch bleiben. Das Gleiten ist absolut irre, aber das Kreisen ist definitiv nichts für mich. Aber ich bin froh es gemacht zu haben, denn es war ein echt irres Erlebnis!
Weit fahren wollte ich nun nicht mehr und hab mir ganz in der Nähe einen Platz zum Übernachten mit Strom gesucht, um mein erlebtes zu verarbeiten. Ich hoffe die Bilder sind einigermaßen, denn ich habe nicht wirklich auf irgendwas professionelles geachtet und habe meine GoPro einfach nur an gemacht und laufen lassen und ein paar Bilder aus den Filmchen herausgeschnitten. Ich hoffe dennoch, sie können eine Eindruck verschaffen.
























































































Hallo Gunar❤️
das war ein Wahnsinniger Trip ❣️❣️Wir haben deinen tollen Bericht mit Begeisterung und einem kleinen kribbeln im Bauch gelelesen ?? wow ?
Liebe Grüße
MMI u Papi
Glückwunsch zum Segelflug. Als ob man mitfliegen würde. Traumhafte Bilder Grüße Michael
Danke Michael! Hab noch Videos, aber die sprengen meine Seite ?
Hoffe Du hattest einen guten Start im neuen Job!
Gruß Gunar
Hi Gunar
Die muss ich unbedingt sehen.
Ja ich bin gut gestartet. Danke.
Dir noch viele tolle Eindrücke und viel Spaß.
Michael
Lieber Gunar,
mega-cool reicht nicht, tera-cool muß es schon heißen! Dieser Teil Deines Blogs ist kaum zu toppen.
Dich dort im Cockpit zu sehen – ich kann nur sagen: stait Di good ;-))
Ein klitzekleines bißchen kann ich mich in das Gefühl beim Fliegen hineinversetzen, auch wenn wir damals beim Rundflug Richtung Bodensee nicht im Segler saßen. Ich denke so gerne dran!
Laß es Dir weiter gut gehen – bin auf alles gespannt, was Du noch mit uns teilst 😉
Herzliche Grüße, Yvonne