Die Region der Extreme und des Adrenalins. Hier erwartete mich unerwartetes.
Mit einem weinenden Auge hatte ich den Mount Cook am frühen Nachmittag verlassen und mich in Richtung Queenstown auf den Weg gemacht. Ein genaues Ziel hatte ich noch nicht. Ich wusste das freie Campingplätze auf der Strecke zu finden sind und somit fuhr ich drauflos.

Die Fahrt war anstrengend. Bis zu 30 Grad zeigte das Thermometer und der Verkehr war immens. An Cruisen war heute nicht zu denken, denn ein herausfahren war mit mehreren Minuten Wartezeit verbunden. Es war eine Endlose Autokette, denn ich hatte es einmal gewagt. Selbst die bis zu 9-achsigen Mack‘s und Freightliner’s trieben mich vor sich her. So passte ich meine Geschwindigkeit an, um nicht zum Hindernis zu werden. So erreichte ich den Ort Cromwell recht schnell.

Auf einen der möglichen Campingplätze machte ich Pause. Schön am See gelegen, aber direkt am Highway. Nein, und irgendwie will ich auch eine Dusche heute. Ich war müde und kaputt von der Hitze. Da erinnerte ich mich an David und seine Frau, eines der Pärchen die ich in Marahau kennen gelernt hatte. Sie erwähnten das sie in Arrowtown bei Queenstown wohnen würden und mir der Ort sicher gefallen würde. Ich schaute in meiner Camping App Rangers Camping Nz und es gab einen Holiday Park direkt im Ort. Online gebucht und Ziel inkl. Dusche war perfekt.
Ab Cromwell änderte sich auf einmal die Verkehrsdichte und auch die Landschaft. Aus Steppenland mit endlosen langen Straßen wurde wieder Gebirgslanschaft mit Schluchten und Straßen mit vielen schönen Kurven. Immer am Kawarau River entlang bis kurz vor Arrowtown. Es machte wieder richtig Spaß zu fahren.

Arrowtown ist eine kleine, alte Goldgräberstadt mit einigen alten Häusern, die liebevoll restauriert wurden. Dazu noch ein paar alte Autos und man dachte man wäre in einer Filmkulisse, denn drumherum war alles normal. Es hat seinen Scharm und ist schön gemacht und es lohnt sich hier vorbei zu schauen. Aber dennoch weckte es nicht so mein Interesse und ich verweilte nur 2 Stunden am Abend im Ort.
Im Camper zurück studierte ich noch mal den Wetterbericht, da eine Schlechtwetterfront angekündigt war. Es blieb dabei. Morgen am späten Vormittag soll es reichlich Wasser von oben geben. Schade 🙁
Am nächsten Morgen dann auf nach Queenstown, in die Stadt der Extremsportler und Adrenalin-Junkies. Man spürt es förmlich, wenn man sich Queenstown nähert. Jetboot fahren im Canyon, Rafting, Bungee-Jumping, viele MTB-Fahrer und mächtig Verkehr. Queenstown ist sehr, sehr belebt. Alles ist voller Menschen und Autos. Aber das habe ich erwartet genauso wie den Regen, der bereits eingesetzt hatte. Ich parkte meinen kleinen Stadtflitzer am Stadtausgang und beschloss gegen später, wenn der Regen aufhören sollte, in die Stadt zu laufen. Der Wetterbericht sagte ab 18 Uhr Besserung voraus. Ich fand einen Plätzchen mit Blick auf den Lake Wakapitu, schnappte mir mein Notebook und einen Jogurt und setzte mich an meinen Blog. Akku war bei 100% und das sollte somit reichen.
Dann passierte etwas unerwartetes. Vertieft in meinen Blog, hörte ich ein klopfen an meiner Schiebetür! Oh je, war meine Parkzeit von 4 Stunden abgelaufen?! Ich öffnete und da stand ein Mann mit einem kleinen Mädchen, pudelnass im Regen. Er fragte ob ich die Nummer von der Automobil Association hätte? Sie hätten ihren Autoschlüssel verloren und bräuchten Hilfe. Ich holte die beiden erst einmal herrein. Er war völlig von der Rolle und ich konnte seinen Worten kaum folgen. Aber wir bekamen es hin. Wir fanden die Nummer im Netz und er organisiert den Service, der in 15 min da sein wollte.
Die beiden waren aus Dunedin und waren auf Urlaub hier in der Region. Nach der Dampfschifffahrt mit der Earnslaw sollte es wieder zurück nach Hause gehen. Leider Verstand ich nur die Hälfte, da er so schnell gesprochen hatte aus seiner Aufregung heraus. Aber wir unterhielten uns dennoch nett und sie zeigten mir Bilder von ihrem Ausflug.
Der Sevicemonteur war mittlerweile eingetroffen und nun löcherte mich die kleine mit Fragen. Ich Verstand nur Bahnhof …. Was hab ich da denn nur gelernt? Ich denke es ist auch wichtig in den Listening Lehrneinheiten auch Konversation mit Kindern aufzunehmen 🙂 Dennoch klappte es irgendwie. Als sie dann noch Monsters mit mir spielen wollte war jegliche Sprache unwichtig geworden. Rumalbern geht immer ?.
Leider konnte der Monteur nur das Auto öffnen und nicht starten. Ich hatte es schon ein wenig vermutet, da er erzählte das sein Auto Keyless Funktion hätte. Nun mussten sie also Übernachten und wir suchten in der fast ausgebuchten Stadt ein Zimmer. Wir fanden ein Hotel und ich bot an sie dort hinzufahren. Gepäck umladen inklusive einem 1 Meter hohem Stoffeinhorn. Es war zum schießen, wie sich mein Camper in kürzester Zeit veränderte. Am Hotel angekommen trennten sich dann unsere Wege – erst einmal!
Zurück am Parkplatz schrieb ich dann den Blog schnell fertig, denn das Wetter schien nun besser zu werden, wie erwartet. Bei auslaufender Earnslaw macht ich mich auf den Weg in die City.

Lang war ich nicht in der City, wie ihr euch sicherlich schon gedacht habt. Aber ich hab mir einen Überblick verschafft, wo ich mir vielleicht ein Bike ausleihen könnte. Einfach zu viele Menschen, Hecktick …usw. Direkt an der Wasserseite hat es mir aber gut gefallen und hier schlenderte ich dann gemütlich zurück zum Camper.
Was saht ich denn da! Die beiden gestrandeten standen an meinem Camper! Ich sah sie schon von weiten und überlegte, ob sie vielleicht was in meinem Camper verloren haben könnten? Beim Ein- und Ausladen viel nämlich das eine oder das andere heraus und verteilte sich im Camper inkl. seinem Geldbeutel! Nein, es war alles in Ordnung und die beiden schauten nur noch mal nach dem Auto nachdem sie wieder abgetrocknet waren und in frischen Kleidern steckten. Sie baten mich nur noch mal, ob ich sie nicht nochmal mit zum Hotel mitnehmen könnte, denn es wäre so steil den Berg hinauf. Klar! Ihr müsst wissen die Straßen in Queenstown sind wirklich steil. Man denkt oft man steht förmlich vor einer Wand. Bei solch mancher Straße hätte ich Angst mit dem Smart zu fahren! Der würde wohl wirklich auf der Heckklappe landen.
Nun trennten sich unsere Wege endgültig! Es hatte mich gefreut sie noch getroffen zu haben.
Jetzt war es aber auch Zeit für mich einen Platz zu finden! Ein paar kostenlose Plätze hatte ich bereits im Auge und fuhr los am Lake Wakapitu in Richtung Glenorchy. Campingplatz TwentyFive Mile Stream war der erste Platz den ich ansteuerte. Nicht besonderes und nicht kostenlos wie eigentlich ausgeschrieben! Egal, ich wollte ankommen heute. Beim Abendessen studierte ich den Wetterbericht für den morgigen Tag. Am Vormittag trocken und ab 11 Uhr wieder Regen. Ich beschloß somit eine kleine Tour am Hausberg Ben Lemond früh am Morgen zu machen, da man die ersten 405 Meter mit einer Gondel zurück legen kann.
Nach einem kurzen Frühstück ging es dann los. Chantal aus einem kleinen Ort in der Bretagne begleitete mich bis Queenstown. Ich traf sie an der Einfahrt des Campingplatzes, als sie mich fragte, ob ich sie mit nach Queenstown nehmen könnte. Kein Problem. Sie macht seit 10 Monaten Work and Travel hier und will in 2 Monaten anschließend noch nach Asien. Wow! Ich erzählte ihr von meinem heutigen Vorhaben und sie sagte ich sollte unbedingt bis auf den Gipfel des Ben Lemond gehen. Die Aussicht wäre einfach phänomenal.
An der Liftstation der Skyline trennten sich unsere Wege und ich machte mich mit gepacktem Rucksack auf den Weg. Ob es reichen würde bis zum Gipfel? Zumindest will ich es versuchen und ging zügig von der Bergstation los. Ich hatte 2,5 Stunden laut Wetterbericht und 4 Stunden in der Parkzone.
Das Gebiet hier oben wird von Wanderern und Mountainbike Fahrern genutzt. Teilweise auf gemeinsamen aber auch auf getrennten Wegen. So früh am Morgen war aber so gut wie noch nichts los, was mich wieder freute. Der Weg selber ist völlig unschwierig, super ausgeschildert und nur im oberen Bereich zum Gipfel etwas steiler. Ja, ich hab es geschafft, denn das Wetter hielt. Der Wind allerdings war heftig. Auf dem Grad zum Gipfel musste ich aufpassen nicht von den Füßen geholt zu werden. Es war ar… kalt hier oben!

Aber Chantal hatte Recht. Es war eine wahnsinnige Aussicht von hier oben, selbst bei diesem Wetter. Im Westen sah man bereits die Schlechtwetterfront, die sich aber doch unerwartet verspätete. Gerne wäre ich hier oben länger geblieben und um mein Vesper zu geniessen, aber der Wind war zu unangenehm und es gab kein Plätzchen das zum verweilen einlud. So beschloß ich zügig wieder abzusteigen, um nicht doch noch nass zu werden.
Es blieb weiterhin trocken und so plante ich den restlichen und den morgigen Tag. Auf nach Glenochry und dann tiefer ins Tal Richtung Routeburn am Dart River, nach Isengard zu Saruman, der Kulisse aus Herr der Ringe. JA! Vielleicht wird das Wetter morgen doch unerwartet noch besser, sodass ich noch eine Wanderung unternehmen könnte.
Die Fahrt am Lake war fantastisch und wieder voll nach meinem Geschmack. Dazu diese mystische Stimmung, Berge, Wolken und die Sonne. Es passte einfach zu meinen Vorstellungen und gleich werde ich auf Saruman und seine Orks treffen! Angekommen in Glenorchy war erst einmal wieder Wirklichkeit angesagt. Ein ganz beschaulicher, geschichtlicher Ort von dem man aber nicht zu viel erwarten durfte, aber dennoch wundervoll gelegen. Mittlerweile setzte wieder der Regen ein und ich wollte dem kleinen, netten Café gegenüber einen Besuch abstatten. Leider restlos überfüllt. Alle zwei Tische innen waren Belegt und weitere Gäste warteten bereits 😉 Zurück im Camper genoss ich noch ein wenig die Stimmung am Lake bei einem Kaffee aus eigenem Aufguss und machte mich dann auf in Richtung Isengard, denn es war schon später Nachmittag.
Saruman war wohl nicht erfreut mich zu treffen und er schickte Wasser und Wind vom Feinsten. Der Regen, eher ein peitschen von der Seite. Man sah nicht mehr viel und die Straße/Piste war echt eine Katastrophe. Ich wählte die Abzweigung Richtung Kinloch, da an der Straße Richtung Routeburn wohl eher ungeeignet für meinen Camper ist. So zumindest das Schild am Eingang. So schaukelte ich am Ende über unbefestigte Straßen den kleinen Glacier Burn Carpark an, um dort zu Übernachten.
Ich war alleine hier. Die letzten Scharfe die ich sah waren ca. 2km entfernt. Draußen nichts außer Wolken, der Camper schaukelte, es prasselte von allen Seiten und aus den Schränke sog es wie Hechtsuppe (starke Zugluft). Es wurde schnell kalt im Camper und ich musste einheizen. Also gemütlich machen und gut Essen. Ich hatte vorgesorgt und mir ein kleines 520g Steak besorgt. Kirschen hatte ich auch noch und so gab es ein leckeres Menu am Abend.

Gegen 6 Uhr setzte ich dann den ersten Fuß an diesem Ort vor die Tür, denn es hatte aufgehört zu regnen. Was für eine Stimmung! Saruman zeigt sich gnädig. Schnell einen Kaffee und Wetterbericht studieren. Es sah nicht gut aus. Nur ca. 1-2 Std. trocken. Ich machte mich langsam zurück auf den Weg nach Glenorchy, um dort abzuwettern. Ich fuhr die Waschbrettpiste langsam zurück und genoss die herrliche Stimmung am Morgen. Hier draußen ist es einfach nur wild und irre für mich. Mit einem 4WD Fahrzeug ist man hier sichtlich besser aufgehoben, als ich mit meinem Sprinter, bei dem man auf den Pisten automatisch Eischnee für einen Kaiserschmarren schlagen könnte.
https://www.tobenow.de/wp-admin/upload.php
Bei einer 2. Tasse Kaffee und meinem Müsli verweilte ich in Glenorchy direkt am Lake. Leider passierte nichts unerwartetes 🙁 Der Regen zog auf und ich brach meine Zelte hier nun ab. Bis Queenstown begleiteten mich noch zwei Studenten aus Dunedin, die das Wochenende zum Wandern hier waren. Sie schrieben mir noch ein paar Tips für Dunedin auf und klebten sie mir in meine Straßenkarte bevor sich unsere Wege wieder trennten. Nun geht es ins Fiordland, dem größten Nationalpark Neuseelands.


































Hallo Gunar❤️,
gigantische Bilder und kein besonders gutes Wanderwetter . Vielleicht hast du in den nächsten Tagen etwas besseres Wetter ??
M u P